Ergebnisse unserer Medienstudie 2008
16. August 2008 von Max Christoph Winterhoff
Die Ergebnisse unserer Studie stehen nun online zur Verfügung, der Link steht ganz unten. Außerdem haben wir eine Pressemitteilung verfasst, die ich hier weitestgehend unverändert einstelle:
Bürger meinen: Medien mächtiger als die Bürger
Ergebnisse einer Umfrage der Universität Düsseldorf zum politischen Einfluss der Medien
Aus einer im Juni durchgeführten Umfrage bei mehr als 1000 Personen geht hervor, dass der politische Einfluss der Medien als größer eingeschätzt wird als der Einfluss der Bürger selbst. Nach Meinung der Befragten ist der Einfluss der Medien auf die politischen Entscheidungen in den letzten Jahren sogar noch gestiegen. Das beurteilen die Befragten eher kritisch. Außerdem sehen die Befragten den Einfluss der Medien auf die eigene politische Meinungsbildung als gering an, sehr viel stärker würde aber durch die Medien beeinflusst, was die Allgemeinheit politisch denkt. Die Untersuchung wurde unter der Leitung von Professor Gerhard Vowe und Marco Dohle von 22 Studierenden am Sozialwissenschaftlichen Institut der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf durchgeführt.
Befragt wurden Studierende, Journalisten und aktive Politiker, um einen Vergleich zwischen diesen drei Gruppen zu ermöglichen. Die Journalisten und Politiker schätzen die politische Bedeutung der Medien sogar etwas höher ein als die Studierenden. Diesen politischen Einfluss sehen die Journalisten deutlich weniger kritisch als die beiden anderen Gruppen. Alle Gruppen sind insgesamt der Auffassung, dass die Medien im Vergleich zu den Bürgern einen größeren Einfluss auf die Politik haben – 75% der Befragten sehen die Medien als mächtiger an, der Rest sieht ein ausgeglichenes Verhältnis oder einen stärkeren Einfluss der Bürger.
Diejenigen, die den politischen Einfluss der Medien als stark einschätzen, sind aber nicht weniger als andere bereit, sich politisch zu engagieren. Das hatten die Leiter der Studie nicht erwartet: „Wir haben vermutet, wenn die Medien als besonders mächtig angesehen werden, dann resignieren die Leute und sagen, man kann als Einzelner doch nichts machen“, erläutert Professor Gerhard Vowe.
Der Einfluss der Medien auf konkrete politische Entscheidungen ist nach Meinung der Befragten etwas geringer als auf die Politik generell. Aber auch beispielsweise für die Klimapolitik meinen zwei Drittel der Befragten, dass die Politiker das Thema Klimawandel erst ernster nehmen, seit es intensiv in den Medien behandelt wird. Nur 19% der Befragten meinen, dass Politiker sich bei der Klimapolitik wenig von den Medien beeinflussen lassen.
In der Umfrage wurde auch ermittelt, dass die Befragten einhellig den Einfluss der Medien auf die eigene politische Meinungsbildung als eher gering ansehen, den Einfluss auf die Meinungen der anderen aber als groß und fast immer in einem negativen Sinne. „Das kann logisch nicht stimmen: alle sind felsenfest davon überzeugt, dass der Einfluss der Medien auf die anderen viel größer ist als auf einen selbst“, so Marco Dohle. Dieses Phänomen ist in der Fachliteratur als „Third-Person-Effect“, eine Art „Selbsttäuschung über anonyme Dritte“, bekannt: Die Medien hätten einen großen und meist negativen Einfluss auf die Allgemeinheit (die anonymen Dritten), einen gewissen Einfluss auf das unmittelbare Umfeld wie eigene Angehörigen und Bekannte (die einem bekannten Zweiten), aber so gut wie keinen Einfluss auf einen selbst. Die anderen werden manipuliert, man selbst aber selbstverständlich nicht. Auch dabei unterschieden sich die drei befragten Gruppen: Politiker sind noch mehr als die anderen Gruppen davon überzeugt, dass die Medien einen Einfluss auf die Allgemeinheit ausüben, nicht aber auf sie selbst. Bei der Klimapolitik stellt sich die Lage ähnlich dar.
Allerdings hat diese Selbsttäuschung wenig Einfluss auf das Verhalten. Zwar zeigt sich: wenn jemand den Medien großen Einfluss auf die Allgemeinheit zubilligt, tritt er eher dafür ein, den Spielraum der Medien zu begrenzen. Die Selbsttäuschung hat aber keine Folgen für das eigene politische Engagement oder für das Umweltverhalten: wer glaubt, dass die Medien starken Einfluss haben, tritt nicht mehr als andere für klimafreundliche Maßnahmen ein, z.B. Energiesparlampen.
Die Ergebnisse der Studie stehen zudem in Form einer Power Point Präsentation zur Verfügung. Die Präsentation und weitere Informationen finden Sie unter folgender Web-Adresse:
http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/kmw-vowe/forschung/medieneinfluesse






